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Aug 04

Von Schneebällen und Pyramiden

Also der Schneeball: der wird mit klammen Händen geknetet, dann vorsichtig etwas herumgekullert, dann schubst man ihn schon mit dem Fuß weiter, schließlich rollt man ihn an einen kleinen Abhang, von wo er ganz alleine Fahrt aufnimmt und irgendwann irgendwo als riesige Lawine ankommt.

Andersherum die Pyramiden: da müssen zunächst Tausende vorzugsweise Sklaven mit ganz primitiven Hilfsmitteln, meist gar nur mit bloßen Händen, ein breites Fundament legen. Schicht um Schicht wächst der Bau in die Höhe, nach oben hin wird er nicht nur schmaler, sondern es steigt auch die Zahl der Arbeiter, die auf der Strecke bleiben. Und am Ende freut sich ein einziger über den fertigen Bau – nämlich der Pharao! Doch ist auch seine Freude nur von kurzer Dauer, denn die Pyramide ist ja eigentlich sein Grab, in dem er dann verschwindet.

Das ist die Wahrheit über Schneebälle und Pyramiden, jeder kann es sehen, wissen und auch nachprüfen – wenn er sich denn die Mühe macht.

Warum irgendwann ein ganz großer Schlaumeier mal auf den Einfall kam, diese Tatsachen zum Stigma für eine der erfolgreichsten Marketingstrategien der Wirtschaftsgeschichte zu machen, bleibt eines der Mysterien dieser Welt. Doch es macht seitdem die Runde und hinkt und lahmt dennoch wie ein alter Klepper: Multilevel-Marketing sei „Schneeball“ und „Pyramide“ und illegal ja sowieso!

Dann nehmen wir mal einen anderen Vergleich: vor 2.000 Jahren etwa zog ein junger Mann einsam durch Galiläa und ermahnte die Menschen zur Umkehr. Alle lachten über ihn, doch einer nach dem anderen schlossen sich ihm plötzlich Jünger an, Petrus und Andreas, Maria Magdalena und Susanna, Jakobus, Johannes und Thomas… Sie kennen die Geschichte.
Keine hundert Jahre später war die Bewegung, die Jesus ausgelöst hatte, zu einer neuen Religion, dem Christentum, geworden, zu dem sich heute knapp 2,7 Milliarden Menschen weltweit bekennen.

Auch wenn es in Galiläa so gut wie nie schneit, aber im übertragenen Sinne kann man schon davon sprechen, dass ein kleiner Schneeball, den ein einzelner geformt hatte, mit der Zeit zu einer riesigen Lawine anschwoll. Die Werte, die Jesus gepredigt hat, wurden Allgemeingut, die Menschen anerkannten sie als gut und richtig für ihr Leben.

Taugen die Werte, die das Christentum (und im übrigen auch jede andere Religion) vertritt, vielleicht nichts mehr, nur weil die Kirche als Institution oft versagt hat?
Zählt das Liebesgebot nicht mehr, nur weil einige Priester unter seinem Deckmantel Kindesmissbrauch betrieben haben?
Ist das Gebot „du sollst nicht töten“ außer Kraft, weil bis heute „im Namen Gottes“ Kriege geführt werden?

Oder ein anderes Beispiel: Sie gehen tagtäglich zur Arbeit in eine Fabrik, eine Behörde, ein Großunternehmen. Wenn Sie Glück haben, stehen Sie dort nicht auf der untersten Ebene, sondern blicken auf andere herab, die einen geringeren Job als Sie haben. In den meisten Fällen jedoch haben auch Sie Vorgesetzte und Chefs, denen Sie unterstehen und zu denen Sie mal bewundernd, mal wütend und neidisch, aber in jedem Falle aufblicken.
Erinnert diese Hierarchie nicht ganz fatal an die oben beschriebene Pyramide?
Und kommt etwa der Staatsanwalt und schließt den Laden, nur weil Sie ganz laut „P-y-ra-m-i-d-e !!!“ schreien?

Wohl eher nicht. Ganz im Gegenteil – Sie tun und machen alles, damit Sie in dieser Hierarchie weiter nach oben aufsteigen. Und sind ja sogar noch stolz darauf, wenn Sie und eben nicht Ihre alleinerziehende Kollegin den begehrten Abteilungsleiterposten bekommen. Denn Sie sind ja immer zur Stelle, weil sich um die Kinder zuhause ja Ihre Frau oder gar eine Tagesmutter kümmert…

Aber plötzlich verlässt Ihre alleinerziehende Kollegin den Laden mit dem ach so tollen Betriebsklima und macht sich selbstständig – mit einem Unternehmen, das allen Partnern Chancengleichheit und leistungsgerechte Bezahlung garantiert. Und ist sogar noch erfolgreich, denn endlich kann sie ihre Pflichten als Mutter und die Arbeit so koordinieren, dass es passt! Keine Dienstbesprechung mehr um 16 Uhr, wenn der Kindergarten schließt, keine hämischen Kollegen oder ein genervter Chef, wenn gar ein Kind mal krank ist, und-so-weiter-und-so-fort, auch das kennen Sie ja alles.

Doch für Ihre Ex-Kollegin passt plötzlich alles wunderbar: sie muss nicht mehr ein endlos uninteressantes Produkt an ebenso uninteressierte Kunden verhökern, sondern sie hat ein Produkt gefunden, von dem sie begeistert ist und das sie mit eben dieser Begeisterung anderen empfiehlt, die genau danach gesucht haben. Begeisterte Kunden kaufen natürlich auch gern und empfehlen den Problemlöser auch gern weiter.
Für die Kinder ist mehr Zeit, plötzlich werden sie auch nicht mehr so oft krank, denn Stress in der Familie als einer der wichtigsten Krankheitsauslöser fällt weg.
Und nicht zuletzt klingelt es auch in der Kasse, denn die Ex-Kollegin erntet endlich die Früchte ihrer Arbeit und ihrer Fähigkeiten selbst, anstatt den Boss reich zu machen und selbst nur mit einem bescheidenen Lohn abgespeist zu werden.

Doch das einzige, was Ihnen dann einfällt, wenn Sie genau diese Ihre Ex-Kollegin mal zufällig in der Mittagspause beim Shopping sehen, ist die absurde Behauptung, das alles sei illegal und Abzocke und Schneeball und Pyramide ja sowieso?

An dieser Stelle jetzt haben Sie exakt zwei Möglichkeiten:

Erstens: sofort diese Seite zu verlassen und weiterhin mit Ihren negativen Gedanken von Neid bis Dummheit weiter zu leben und zu riskieren, vielleicht eines Tages gar wegen Verleumdung verklagt zu werden.

Oder zweitens: diesen Artikel vielleicht noch einmal zu lesen, darüber nachzudenken – und das nächste Mal, wenn Ihnen vielleicht sogar genau Ihre Ex-Kollegin wieder begegnet, sich die Geschichte erklären zu lassen und selbst mit einzusteigen ins Multilevel-Marketing – denn nirgendwo sonst in diesem Leben haben Sie je wieder die Chance, auf die fairste Weise der Welt Geld zu verdienen und, ja, wenn Sie so wollen, „nach oben“ zu kommen.

Und wenn Sie gerade keine Ex-Kollegin haben, die Ihnen aus dem Dilemma helfen könnte, dann schauen Sie doch einfach mal hier rein – vielleicht ist es genau das, was Sie schon immer machen wollten!

Evelyn Bartolmai

 

 

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